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Die Blasmusik in Purbach

Die ersten Aufzeichnungen über eine Blasmusikkapelle in Purbach wurden schon um 1900 festgestellt. Josef Kregler und Josef Burschky hatten Notenbücher für die verschiedenen Instrumentierungen angelegt, welche heute noch in privaten Händen in Purbach sind.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es üblich in kleinen Gruppen mit ungefähr acht bis fünfzehn Musikern zu spielen. Diese kleinere Form der Kapelle war dazumal u. a. auch ein wichtiger Bestandteil der Kirchenmusik.

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges brachte ein Ende der Musikkapelle, da die Musikanten in den Krieg ziehen mussten. Nach Beendigung des Krieges wurden 1920 zwei Kapellen in Purbach gegründet. Johann Hofmann, ein ehemaliger Militärmusiker, setzte sich zur Aufgabe, eine Musikgruppe auf die Beine zu stellen. Er gründete eine Bauernkapelle, die den Namen „Kapelle Hofmann“ trug. Damals war es üblich, dass das Ensemble nach dem Leiter benannt wurde.

Im Jahre 1924 entstand eine zweite Kapelle, die vom Gastwirt Johann Hölzl gegründet wurde, dessen Mitglieder aus dem Arbeiterkreis kamen. Die Kapelle hatte auch einen Spitznamen, nämlich „Schubertkapelle“. Dieser Name entstand auf Grund eines Klarinettisten, der dem berühmten Franz Schubert sehr ähnlich sah.

Da nun in Purbach zwei Kapellen wirkten, entstand eine musikalische Rivalität, die sich positiv auf die Leitung und auf die Musiker auswirkte. Es wurde eifrig geprobt und gleichzeitig das Niveau der beiden Kapellen angehoben. Die Kapellen spielten um den Verdienst, was so viel bedeutet, dass die Musikanten für die Darbietungen ein paar Kronen bekamen. Für sie und Ihren Familien war dieser Verdienst sehr wichtig, da nach dem Ersten Weltkrieg die Menschen so gut wie vor dem Nichts standen.

1938, dem Anschlussjahr Österreichs an Deutschland, wurden aus den zwei Kapellen eine große Kapelle gegründet. Der damalige Leiter war Mathias Hauser, der jedoch die Gemeinschaft wegen des Zweiten Weltkrieges nicht lange aufrechterhalten konnte.

1942 und war jedoch das Verlangen nach musikalischen Aktivitäten wieder so groß, dass unter der Leitung von Johann Hofmann eine Jugendkapelle gegründet wurde. 1943 organisierte Johann Lang eine zweite Kapelle – und diese mit großem Erfolg. Doch am Ende des Zweiten Weltkrieges lösten sich beide Kapellen wiederum auf.

Als im Jahre 1948 die Musikanten aus dem Krieg heimkehrten, setzte man alles daran, abermals eine Musikkapelle zu gründen. Anton Mayer und Johann Höllisch waren die Leiter, die sich mit all ihren Kräften einsetzten. Otto Haas war der Gründer einer zweiten Kapelle, die ebenfalls in Purbach aktiv war.

Bedingt durch den wirtschaftlichen und kulturellen Strukturwandel in der Gesellschaft und auch im Dorf wurden beide Gruppen Mitte der 50er Jahre wieder aufgelöst. Purbach musste dann eine sehr sehr lange Zeit ohne Musikkapelle auskommen. Es setzten sich zwar einige Musikanten im Gasthaus zusammen und musizierten, jedoch hatte es zu eine Kapelle nicht gereicht. Diese kleineren Ensembles spielten für Tanz  und zum Vergnügen. Eine war unter der Leitung von Otto Haas, die aber auch nur bis 1960 bestand.

Gegen Ende der 60er Jahre versuchte Michael Heckenast eine Kapelle aufzubauen, die aber auch nur kurze Zeit existierte.

 

Am 6. Jänner 1977 war es dann endlich soweit, der Wunsch der Bevölkerung ging in Erfüllung:

Die Gründung des Musikverein Purbach.

Der Musikverein Purbach

In der Volks- und in der Hauptschule wurde eine Werbeaktion gestartet, welche großen Anklang fand. 40 Buben und Mädchen meldeten sich, um ein Instrument zu erlernen. Als Kapellmeister konnte der Militärmusiker Paul Neuwirth gewonnen werden. Unter der Obmannschaft von Volksschuldirektor Josef Mayer wurden neue Musikinstrumente angeschafft. Gleichzeitig wurde in den Räumlichkeiten der Volksschule die Musikschule installiert. Somit war die erste große Bewährungsprobe bestanden.

Nach sehr intensiven Probemonaten fand bereits am 1. November 1977 der erste große Auftritt statt. Die Musiker  umrahmten den Allerheiligen-Gottesdienst mit der Messe von Michael Haydn. Die positiven Rückmeldungen der Bevölkerung waren enorm. Die noch intensivere Probenarbeit ermöglichte es bald, Konzerte zu veranstalten und öffentliche Veranstaltungen zu umrahmen. Bereits 1979 hat der Musikverein am Wertungsspiel für Konzertmusik in der Stufe A mit dem Prädikat „Ausgezeichnet“ teilgenommen.

Anfang der 80er Jahre standen auch die ersten Auslandsreisen auf dem Programm. So wurden Auftritte in Deutschland, in der ehemaligen Tschechoslowakei und in Ungarn absolviert. An Konzertwertungsspielen konnte auf Grund der konsequenten Arbeit bereits in der Stufe B sehr erfolgreich angetreten werden. 1984 übergab Kpm. Paul Neuwirth den Taktstock an Norbert Fuhrmann, der den Musikverein bis 1988 leitete. In seiner Ära wurde besonders auf die Musik in Bewegung Wert gelegt. In besonderer Erinnerung sind uns unsere Teilnahmen am Weinfest in Velden am Wörthersee in den Jahren 1985 und 1986 geblieben. Dort führten wir gemeinsam mit der Purbacher Volkstanzgruppe ein Showprogramm vor mehreren tausend Besuchern auf. 1987 konnte der Musikverein am Wertungsspiel für Marschmusik in der Stufe E (Pflichtteil plus Showprogramm) = Höchststufe  erfolgreich antreten. Im Juli 1988 übernahm der damalige Bezirkskapellmeister Alois Loidl für die nächsten zwei Jahre die musikalische Leitung. Im August 1989 waren wir zu Gast bei unserer befreundeten Kapelle in Gögglingen/Donaustetten bei Ulm (Deutschland).

Die 90er Jahre waren geprägt durch Aufschwung, personelle Änderungen und noch stärkere Öffnung des Vereins nach außen. Im Mai 1990 konnte der damals erst knapp 23 jährige Robert Karner aus den eigenen Reihen für das Amt des  Kapellmeisters gewonnen werden. Er übte seine Funktion über 15 Jahre hindurch aus. Anfangs gemeinsam mit Hubert Gmasz, der sich aber nach einem gemeinsamen Kapellmeisterjahr sehr erfolgreich der Jugendarbeit widmete. 1992 wurde von uns das erste Zeltfest abgehalten, welches seither jedes Jahr zu Pfingsten stattfindet. 1995 unternahm der Musikverein seine erste Auslandsreise per Flug. Für eine Woche ging es an die Costa Brava nach Calella in der Nähe von Barcelona um am dortigen Oktoberfest teilzunehmen. Auch in Spanien gelang es uns, das Publikum mit unserer bodenständigen Musik zu begeistern.

Ebenfalls 1995 fand der erste Obmannwechsel statt. Nach 18 aufopferungsvollen Jahren übergab OSR Dir. Josef Mayer sein Amt an Andrea Hauer. Da unser bisheriges Probelokal (Turnsaal der Volksschule) künftig anderweitig genutzt werden soll, mussten Überlegungen zum Bau eines Musikheimes angestellt werden. Nach langen Verhandlungen entschloss man sich, gemeinsam mit der Volkstanzgruppe ein „Haus der Musik“ zu errichten. 1997 erfolgte der Spatenstich und bereits 1999 konnte das Haus seiner Bestimmung übergeben werden.

1999 fand bereits der nächste Führungswechsel statt. Der langjährige Musiker Werner Sandhofer, der zu der Zeit nicht mehr aktiv war, übernahm die Obmannschaft von Andrea Hauer, die nach vier intensiven Jahren ihr Amt zur Verfügung gestellt hat. Anlässlich 25 Jahre Musikverein wurde im Zuge unseres Zeltfestes ein österreichweiter ORF-Frühschoppen live übertragen. 2005 erfolgte die Kapellmeisterübergabe von Robert Karner an den jungen ebenfalls aus den eigenen Reihen hervorgegangenen Musikers und damals schon Komponisten Alexander Lag. Im selben Jahr übernahm auch Hans Schneider die Obmannschaft von Werner Sandhofer. Ende 2006 erfolgte die Eingliederung einer großen Jugendgruppe von ca. 22 jungen Mädchen und Burschen, welche damals von Werner Hoffmann geleitet wurde. Anlässlich des 30jährigen Bestehens des Musikvereins wurde Anfang 2007 unter der musikalischen Leitung von Alex Lag auch der erste und bisher einzige Tonträger in Form einer CD aufgenommen. Ebenfalls anlässlich unseres Jubiläums wurde im Mai 2007 – bereits zum dritten Mal in Purbach – das Bezirksmusikertreffen mit Marschmusikbewertung veranstaltet, an dem 14 Musikkapellen teilnahmen.

2009 legten sowohl Alexander Lag seine Funktion als musikalischer Leiter als auch Hans Schneider seine Funktion als Obmann zurück. Als Obmann konnte der langjährige Organisationsreferent Johannes Berger gewonnen werden. Die wichtige Funktion des Kapellmeisters konnte erst im Juni 2010 durch den Wulkaprodersdorfer Franz Nabinger besetzt werden. Musikalisch wurde der Verein interimistisch von Robert Karner geleitet. Trotz der schwierigen personellen Situation wurde stets mit Optimismus ans Werk gegangen und wir konnten unsere Verpflichtungen immer zur Zufriedenheit erfüllen. Unter Franz Nabinger wurde das „Konzert im Advent“ in der Pfarrkirche ausgetragen, welches großen Anklang bei den Zuhörern fand. Ebenso fallen einige schöne Ausflüge u.a. nach Deutschland, Tirol und Steiermark in diese Zeit.

2011 erfolgte abermals ein Doppelwechsel an der Führung. Sowohl Obmann Johannes Berger als auch Kpm. Franz Nabinger legten ihre Funktionen zurück. Für die Funktion des Obmanns stellte sich Kurt Rüssel zur Verfügung. Musikalisch wurde der Verein für die nächsten Monate abermals interimistisch von Robert Karner und auch von Christian Lag geleitet. Im Juni 2012 konnte mit dem gebürtigen Schattendorfer Ernst Hutter ein junger dynamischer Kapellmeister gewonnen werden. Unser jährliches Konzert findet seit 2012 an zwei Tagen im Feuerwehrhaus Purbach statt. Ebenso wird seit 2013 ein Sommerkonzert beim „Haus am Kellerplatz“ veranstaltet. Der Musikverein nimmt regelmäßig an den Wertungsspielen für Konzertmusik teil – und das mit „Ausgezeichneten Erfolgen“. Im September 2014 haben wir am „Internationalen Blasmusikfest der Jugend“ in Bad Orb (Deutschland) teilgenommen. Es war dies ein sehr bewegendes Erlebnis mit 32 Orchestern aus nahezu allen europäischen Ländern zu musizieren. 2016 konnte mit Christian Schüller ein langjähriger Musiker für die Funktion des Stabführers gewonnen werden, sodass der Musik in Bewegung in Zukunft wieder mehr Augenmerk geschenkt werden kann.